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Von unserem Mitarbeiter Esperanto, eine Plansprache, die 1887 erfunden wurde, hat eine immer größere Gemeinde von Anhängern. Schätzungsweise zwei Millionen Anhänger sprechen die von Ludwig Zamenhof entwickelte Sprache. Karin Weirich beschäftigt sich intensiv mit ihrer Pflege.
Sie betreuen eine Esperanto-Homepage, was kann man dort alles finden?
Karin Weirich: Auf meiner Homepage, www.aliaflanko.de, veröffentlichen wir Stadtinformationen auf Esperanto. Zu vielen Städten findet man Infos über Sehenswürdigkeiten, Einwohnerzahlen und Infrastruktur. De Informationen sind mit Bildern von Besonderheiten der jeweiligen Stadt versehen. Teils sind die Beiträge von mir, teil aber auch von anderen Homepages. Umfangreiche Informationen zum Thema Esperanto finden sich genauso wie ein Gästebuch, in dem es Beiträge von Esperanto-Anhängern rund um den Globus gibt. Wer im Rahmen der Aktion Pasporta Servo unterwegs ist, kann sich bei mir Informationen über sein Reiseziel suchen. Pasporta Servo, was hat man sich darunter vorzustellen?
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![]() Wenn jeder Mensch auf der Welt Esperanto spräche, würden sich alle Menschen besser verstehen. Das war zumindest die Absicht des Erfinders. (Bild: z) Karin Weirich: Pasporta Servo ist ein Netzwerk von Gastgebern und Unterkünften, bei dem zur Zeit ungefähr 1.286 Gastgeber in über 80 Ländern mitmachen. Möchte man das Netzwerk als Gast nutzen, braucht man nur die Adressenliste zu kaufen, die jedes Jahr aktualisiert wird. Dann kann man diesen Service nutzen. Jeder Gastgeber hat einige Bedingungen angegeben, zum Beispiel, wie viele Gäste willkommen sind, wie lange sie bleiben dürfen oder ob sie ihren Besuch im voraus ankündigen sollten. Die Gastgeber verlangen keine Miete, viele werden sogar ein Frühstück oder ein leckeres Abendessen anbieten. Der Preis der Liste ist so bemessen, dass er gerade die Verwaltungskosten deckt. Wie kamen Sie dazu, Esperanto zu lernen? Karin Weirich: Sprachen faszinieren mich. In einem Internetforum traf ich eine an Esperanto Interessierte, die noch Teilnehmer für einen Internetfernkurs suchte. Von April bis Juni 1999 habe ich via E-Mail an so einem Kurs teilgenommen. Wie hoch sind die Kosten für einen solchen Kurs? Karin Weirich: In der Regel ist Esperanto lernen im Internet völlig kostenlos. Uns Esperantisten ist die Verbreitung dieser Sprache so wichtig, dass wir dafür kein Geld verlangen. Nur wer an einem Volkshochschulkurs teilnimmt, muss mit Gebühren rechnen. Wie hat man sich so einen Kurs im Internet vorzustellen? |
Karin Weirich: Jeder Esperanto-Schüler hat einen Mentor, mit dem er über E-Mail in Kontakt steht. Mit den korrigierten Ergebnissen der ersten Lektion erhät man seine weiteren Aufgaben. Die Lektionen sind in Grammatik, Wortschatz und Sprachteile aufgesplittet. Wie kann man das erlernte Esperanto pflegen? Karin Weirich: Es gibt in vielen Regionen Esperantogruppen. In unserer Gegend ist dies die BAVELO, die baden-württembergische Esperanto-Liga. Wir treffen uns regelmäßig mit Mitgliedern aus Ost-Frankreich und tauschen uns aus. Mein Esperanto pflege ich auch viel durch Briefe an Freunde in der ganzen Welt. Vor allem in Slowenien, Polen und Frankreich habe ich Bekannte. Wie viele Esperanto-Sprecher gibt es in unserer Region? Karin Weirich: Das ist schwer zu sagen, da viele nur für den Briefverkehr Esperanto nutzen. Mir sind in unserer Region, ausgenommen Stuttgart, 20 bis 25 Esperantisten bekannt. Welche Philosophie verfolgt nach Ihrer Meinung Esperanto? Karin Weirich: Esperanto ist eine Plansprache, es soll keine anderen Sprachen verdrängen, im Gegenteil, die kleinen Sprachen gehören nach Ansicht von Esperantisten geschützt. Es will Kommunikationsmittel sein. Im Gespräch zwischen Personen verschiedener Nationalitäten soll für keinen der Beteiligten ein Unterlegenheitsgefühl durch sprachliche Defizite entstehen. Deshalb ist Esperanto in unseren Augen auch die Sprache des Friedens und der Freundschaft: Esperanto estas la lingvo de paco kaj amikeco.
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Von unserem Mitarbeiter Eine Sprache ist mehr als nur Kommunikationsmittel. Die eigene Sprache, auch in ihren als Dialekt gesprochenen Formen, verbindet und ist ein wichtiger Grundstein der eigenen Persönlichkeit. Schon lange drängt es Menschen dazu, sich über die ihnen von Natur oder Nationalität gesetzten Grenzen hinwegzusetzen. Kunst- oder Plansprachen bieten eine M&oum;glichkeit hierfür. Sprachenerfinden ist ein "weit verbreiteter" Sport. Die Erfinder etlicher Kunstsprachen haben die unterschiedlichsten Gründe hierfür. Beispielhaft für das Erfinden neuer Sprachen ist der Fantasy-Autor J.R.R. Tolkien. Teils zur Entspannung, teils für seine Fantasy-Romane, erfand er Sprachen wie Sindarin und Quenya. In seinen Büchern finden sich immer wieder Gedichte in Sprachen der von ihm erfundenen Völker. Aus dem Bereich des Science-Fiktion kommt Klingonisch. Es wurde als Sprache von einem Linguisten, Marc Okrand, für den Film Star Trek im Auftrag der Paramount-Filmgesellschaft erfunden. Zu einer wirklichen Sprache wurde Klingonisch erst mit dem Film Star Trek III: The Search For Spock im Jahre 1984. Marc Okrand gestaltete seine Sprache etwa so, wie man etwa einen Künstler beauftragt, einen Szenenaufbau zu konstruieren. Okrands Aufgabe war, eine Sprache zu erfinden, die zwar bizarr und ausländisch klingen musste, aber den Schauspielern gleichzeitig nicht allzu viele Probleme bei der Aussprache bereiten sollte. Inzwischen hat Klingonisch eine Fangemeinde rund um den Globus. Sogar Shakespeares Hamlet ist schon in die Sprache der Außerirdischen übersetzt worden. |
Teil eines ExperimentsDas in Internetgemeinden vermutlich bekannteste Plansprachenprojekt ist Loglan. Erfunden wurde es um 1956 von James Cooke Brown. Obwohl es Anhänger dieser Sprache gibt, die Loglan als Herausforderer von Esperanto ansehen, sollte man wissen, dass die Sprache nicht zu demselben Zweck wie Esperanto geschaffen wurde. Sie ist vielmehr Teil eines wissenschaftlichen Experiments. Sie ist eine auf dem Reißbrett entstandene Sprache mit dem Anspruch, nicht kulturell gebunden zu sein und klaren und eindeutigen Ausdruck zu ermöglichen. Loglan besitzt ein beschränktes Lautsystem und wenige grammatische Regeln, sein Wortschatz ist den acht heute in der Welt am weitesten verbreiteten Sprachen entnommen, darunter Hindi, Japanisch, Chinesisch, aber auch Russisch. Volapük war Nummer einsViele Sprachen sind auch erfunden worden, um das internationale Sprachenproblem zu lösen und selbst als eine internationale Sprache zu fungieren. Die erste solche Sprache, die jemals eine weite Verbreitung erfuhr, war das Volapük. Erfunden wurde sie von Martin Schleyer, einem katholischen Pfarrer aus Baden. Der Öffentlichkeit wurde sie 1878 vorgestellt. Neun Jahre vor Esperanto fand diese erste ernst zu nehmende und funktionierende Plansprache in kürzester Zeit eine weltweite Verbreitung. Englisch hatte sich noch nicht durchgesetzt und ein gebildeter Europäer hatte vier bis sieben Fremdsprachen zu lernen. Schätzungsweise ein bis zwei Millionen Anhänger hatte Volapük nach kürzester Zeit. Über deren Grad an Sprachbeherrschung ist allerdings wenig bekannt. Schon nach kurzer Zeit stnd Volapük jedoch auch unter scharfer Kritik. Die Sprache ähnelte auf den ersten Blick keiner bekannten Sprache und war somit wirklich neutral, da ein Spanier, ein Russe und ein Vietnamese gleichermaßen viel lernen mussten, um die Sprache zu beherrschen. |
Zamenhofs Chance
Dies war die Chance für das 1887 vorgestellte Esperanto des russischen Arztes, Ludwig Zamenhof (Bild: z). Es ist eine Mischung aus romanischen Nationalsprachen und den mehr oder weniger künstlichen Sprachen vom Typ des Volapük. Es macht regen Gebrauch von als international empfundenen Wortwurzeln - telefono, teatro, insulo, fenestro. Esperanto hat sich gegen eine ganze Menge um die Jahrhundertwende entstandener Plansprachen durchgesetzt. Es ist die einzige Sprache, die nach dem Tod ihres Erfinders weitergewachsen ist. Fachleute schätzen, dass es weltweit rund zwei Millionen Esperantisten gibt. Damit ist Esperanto genauso verbreitet wie Estnisch und hat mehr Sprecher als etwa das Isländische. Im Gegensatz zu den meisten anderen Sprachen ist Esperanto gewöhnlich nicht die erste gesprochene Sprache, obwohl es etliche Muttersprachler gibt, die Esperanto - neben der jeweiligen Sprache ihrer Umgebung - schon als Kinder von ihren Eltern gelernt haben. Manche Schätzungen gehen von 150.000 bis 300.000 kompetenten Sprechern aus. Für Anhänger von Esperanto gibt es viel Stoff. Plattenfirmen verlegen Rock- und Popmusik in der Sprache, Asterix wird von Kindern auf Esperanto gelesen und sogar das Buch der Bücher, die Bibel, wurde in Esperanto übersetzt. |
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